«SRG Bern Freiburg Wallis» fordert Stopp der Umzugspläne nach Zürich

Resolution: Generalversammlung der SRG Bern Freiburg Wallis (Radio- und Fernsehgenossenschaft Bern Deutschfreiburg Oberwallis, RGB) vom 5. Mai 2018

Die SRG Bern Freiburg Wallis «unterstützt die Stellung Berns als Studiostandort». Diese Aufgabe ist in den Statuten der Genossenschaft so festgehalten. Es ist also eine zentrale Aufgabe der SRG Bern Freiburg Wallis, sich für den Erhalt und die Förderung des Studiostandortes Bern einzusetzen.

Am 4. April 2018 hat die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) angekündigt, aus Spargründen die Verlegung des Radiostudios Bern mit seinen rund 170 Arbeitsplätzen nach Zürich Leutschenbach zu prüfen. Sendungen und Programme wie «Echo der Zeit», «Rendez-vous», «Info3», «Heute Morgen», «Tagesgespräch», «Samstagsrundschau», «Trend», «International», «SRF 4 News» sowie täglich über 70 Nachrichtensendungen würden künftig in Zürich statt in Bern produziert und ausgestrahlt.

Wird dieses Vorhaben umgesetzt, bedeutet dies eine Marginalisierung Berns als Studiostandort. Die SRG Bern Freiburg Wallis ist daher gestützt auf ihre Statuten gefordert, sich den Plänen der SRG entgegenzustellen.

Absage an Umzugspläne

Die SRG Bern Freiburg Wallis lehnt einen Wegzug des Radiostudios aus folgenden Gründen ab:

Widerspruch zum Föderalismus: Eine Konzentration von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) in Zürich ist nicht im Sinne der föderalistischen Schweiz. Sie widerspricht der sprachlichen und kulturellen Vielfalt des Landes, wird dem politischen Willen der Bevölkerung nicht gerecht und missachtet das Gebot einer breiten regionalen Verankerung des medialen Service public.

Schwächung des Politzentrums: Bern ist das Politzentrum der Schweiz und erfüllt die Funktion als Brückenkopf zur Westschweiz. Von Bern aus ist eine ganzheitliche Sicht auf alle Regionen möglich. Von Zürich aus ist dieser Blick indes verstellt. Darum muss auch SRF ein Interesse daran haben, in Bern einen starken Studiostandort zu betreiben. Mit einem Umzug des Radiostudios würde SRF ein «Flaggschiff» der politischen Berichterstattung beschädigen. Das führte zu einer Schwächung des Politzentrums der Schweiz.

Qualitätsjournalismus in Gefahr: Die räumliche und organisatorische Distanz zwischen Radio und Fernsehen gewährleistet publizistische Vielfalt innerhalb von SRF und wirkt befruchtend auf die Meinungsbildung. Das Radio geniesst einen hervorragenden Ruf und hohe Glaubwürdigkeit, wie das «Echo der Zeit» und andere Radiosendungen zeigen. Ein Umzug des Radios nach Zürich würde zu einer Nivellierung und Verarmung der publizistischen Berichterstattung führen und den Qualitätsjournalismus bedrohen, auf den die Schweiz angesichts der Umbrüche in der Medienlandschaft mehr denn je angewiesen ist.

Regionale Verankerung: Der Erfolg der SRG fusst auf einer regionalen Ausgeglichenheit ihrer Standorte. Als gebührenfinanzierte Organisation ist die SRG dieser regionalen Ausgeglichenheit in besonderem Masse verpflichtet. Mit ihren Umzugsplänen droht der SRG eine Entfremdung gegenüber der Stadt und der Region Bern, zumal mit dem Wegzug ein schmerzlicher Stellenabbau verbunden wäre.

Imageschaden für die SRG: Mit den unausgereiften und politisch unsensiblen Umzugsplänen hat die SRG in den vergangenen Wochen viel Goodwill zerstört. Dieser Imageverlust ist keine gute Voraussetzung, um ein starkes Fundament für die Zukunft des medialen Service public zu bauen.

Es gilt nun, weiteren Schaden abzuwenden. Die SRG Bern Freiburg Wallis ruft daher die Direktion und den Verwaltungsrat der SRG auf, die Abklärungen für einen Umzug des Radiostudios von der Schwarztorstrasse in Bern nach Zürich Leutschenbach unverzüglich einzustellen. Die anvisierten betrieblichen Einsparungen stehen nach Ansicht der SRG Bern Freiburg Wallis in keinem Verhältnis zum Staats- und medienpolitischen Schaden, der mit einer Schwächung des Standortes Bern einhergehen würde.

Für einen starken Studiostandort Bern

Die SRG Bern Freiburg Wallis ist der Überzeugung, dass Bern im Vergleich zu Zürich und Basel ein mindestens gleichwertiger redaktioneller Standort von SRF bleiben muss. Dabei soll der Bereich Information weiterhin ein Aushängeschild des SRF-Standortes in Bern sein.

Die grossen privaten Medienhäuser sind heute fast alle in Zürich konzentriert. Auch der TV-Bereich und grosse Teile des Radios von SRF sind an der Limmat
angesiedelt. Angesichts dieser Medienkonzentration im Grossraum Zürich fordert die SRG Bern Freiburg Wallis, dass die SRG die Möglichkeit prüft, das Radiostudio Bern zu einem Kompetenzzentrum für Information und Politik auszubauen, analog dem SRF-Kompetenzzentrum für Kultur in Basel.

Da die privaten Medienhäuser nach Auffassung der SRG Bern Freiburg Wallis immer weniger in der Lage sind, eine hohe Qualität des Journalismus zu sichern, kommt diese Aufgabe immer stärker der SRG zu. Sie steht in der Pflicht, einen Journalismus zu gewährleisten, der Garant ist für das Funktionieren der direkten Demokratie.

Gleichzeitig anerkennt die SRG Bern Freiburg Wallis die Notwendigkeit, dass die SRG Kosten einsparen muss. Sie ist überzeugt, dass dafür aber innovative und regional abgestützte Ansätze nötig sind, welche der besonderen Rolle der SRG als gebührenfinanzierte und dem Föderalismus verpflichtete Organisation gerecht werden. Die SRG Bern Freiburg Wallis ist selbstverständlich bereit, im Rahmen ihrer Möglichkeit zur Lösungsfindung Hand zu bieten.

Brig, 5. Mai 2018

ResolutionRGB (PDF)

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